Authentizität

Authentizität

Warum es zuerst Angst macht,
wenn Authentizität wirklich gemeint ist

Authentizität heißt, dass innen und außen dasselbe sind – dass du keine Kraft mehr dafür aufwendest, jemand zu sein.

Nicht: immer alles sagen. Nicht: keine Rücksicht nehmen. Sondern aufhören, sich zu verbiegen, damit ein Bild stimmt, das andere von uns haben.

Über Jahre haben wir uns Rollen zurechtgelegt, weil sie funktioniert haben. In der Familie die eine, im Beruf die andere, in der Partnerschaft eine dritte. Das war nicht dumm. Es hat uns durchgebracht.

Der Preis fällt erst später auf. Man merkt ihn an einer Müdigkeit, die nichts mit Arbeit zu tun hat.

Ein Baum, der über Jahrzehnte im Wind schief gewachsen ist, sieht nie aus wie im Bilderbuch. Er sieht aus wie er selbst. Und genau deshalb erkennt man ihn von Weitem.

Warum macht Authentizität Angst?

Weil die stille Rechnung lautet: Wenn ich echt bin, verliere ich Menschen.

Diese Sorge ist nicht albern, und manchmal stimmt sie sogar. Wenn du anfängst, Nein zu sagen, gefällt das nicht allen. Manche Beziehungen halten das nicht aus, weil sie an der Rolle hingen und nicht an dir.

Ich gehe über diesen Einwand nicht hinweg, denn er ist der eigentliche Grund, warum so viele es lassen. Nur: Was in solchen Beziehungen verloren geht, ist nicht Nähe. Es ist Anstrengung.

Und dann kommen die Fragen. Wer bin ich denn, wenn ich das alles ablege? Woran merke ich überhaupt, was ich selbst will? Wie sage ich es, ohne jemanden zu verletzen? Muss ich mich rechtfertigen? Und was, wenn danach niemand mehr da ist?

Woran merke ich, dass ich mich verstelle?

An der Erschöpfung nach Begegnungen, die eigentlich schön waren.

Es gibt weitere Zeichen. Du weißt hinterher nicht mehr, was du gesagt hast, weil du die ganze Zeit beobachtet hast, wie es ankommt. Du sagst Ja und ärgerst dich auf dem Heimweg. Du merkst, dass du bei verschiedenen Menschen nicht nur anders sprichst, sondern anders denkst.

Am deutlichsten ist der Körper. Enge im Hals. Ein Druck auf der Brust. Ein Magen, der sich zusammenzieht, bevor du überhaupt weißt, warum. Der Körper lügt nicht, er kann es gar nicht.

Und es gibt einen Satz, an dem ich es bei mir selbst immer merke: „Ist schon in Ordnung.“ Wenn ich den sage, ist meistens nichts in Ordnung. Er ist mein persönliches Warnzeichen. Vielleicht hast du auch so einen – es lohnt sich, ihn zu kennen.

Ist Authentizität dasselbe wie Ehrlichkeit?

Nein. Ehrlichkeit betrifft das, was du sagst. Authentizität betrifft das, was du bist.

Man kann vollkommen ehrlich und trotzdem nicht bei sich sein. Dann sagt man die Wahrheit über alles – nur nicht über sich selbst.

Umgekehrt gehört zur Authentizität nicht, jedem alles zu erzählen. Es gibt einen Unterschied zwischen einer Maske und einer geschlossenen Tür. Eine Maske zeigt etwas Falsches. Eine Tür zeigt nur nichts.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil das Wort „authentisch“ heute oft als Erlaubnis benutzt wird, rücksichtslos zu sein. Das ist es nicht. Echt sein heißt nicht, alles auszusprechen, was einem durch den Kopf geht. Es heißt, nichts zu behaupten, was nicht stimmt.

Wie fange ich an, echter zu werden?

Mit einem einzigen kleinen Nein, das niemanden etwas kostet außer dich deine Bequemlichkeit.

Nicht mit der großen Aussprache. Nicht mit dem Brief an die Familie. Sondern mit einer Kleinigkeit: eine Einladung absagen, auf die du keine Lust hast. Sagen, dass dir etwas nicht geschmeckt hat. Nicht mitlachen, wenn du es nicht witzig findest.

Das sind Übungen im Aushalten. Denn das Unangenehme kommt nicht vom Neinsagen, es kommt von der Sekunde danach. Und dann prüfst du in Ruhe: Ist wirklich etwas passiert? Meistens nicht.

Was dabei sehr hilft, ist ein Blick auf die Sätze, die dich zurückhalten. Fast alle diese Glaubenssätze stammen nicht von dir – du hast sie nur nie überprüft.

Und wenn die Angst tiefer sitzt, als ein kleines Nein sie erreicht: In einer Sitzung Cosmic Healing schauen wir uns an, was sie in deinem Energiefeld festhält. Ich nenne das die Angstkokons – und sie lösen sich nicht durch gute Vorsätze.

Nahaufnahme von gewachsenem Holz mit deutlicher Maserung und einem Astloch – Authentizität zeigt sich in dem, was gewachsen ist, in der Bewusstseinsarbeit von Andrea Schmucker.

Was mir dabei geholfen hat

Mir hat geholfen, das Echt-Sein nicht als Ziel zu behandeln, sondern als Richtung.

Am Anfang war es verwirrend, unsicher und wackelig. Ich habe zu viel gesagt und dann wieder zu wenig. Trotzdem wurde es mit der Zeit klarer und ruhiger.

Mit jedem Stück Ehrlichkeit wurde deutlicher, was wirklich meins ist. Und mit jedem Stück Ehrlichkeit blieben mehr Menschen, die es ernst meinen. Mein Seelenweg hat sich dadurch nicht verkürzt – aber ich gehe ihn seitdem in eigenen Schuhen.

Die Maserung im Holz ist kein Makel. Sie ist der Beweis, dass es gewachsen ist.

Wie sich diese Angst von innen anfühlt, habe ich an anderer Stelle ausführlicher aufgeschrieben – in Die Angst vor dem Echt-Sein. Dort erzähle ich auch, woran ich selbst am längsten hängen geblieben bin.

Und wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Nimm die nächste Gelegenheit, bei der du beinahe Ja gesagt hättest.

Häufige Fragen zu Authentizität

Bedeutet Authentizität, dass ich immer alles sagen muss?

Nein. Es bedeutet, dass das, was du sagst, stimmt. Schweigen darf sein, Verstellen nicht. Zurückhaltung ist keine Maske.

Was, wenn ich gar nicht weiß, wer ich ohne die Rollen bin?

Das ist der ganz normale Anfang. Man findet es nicht durch Nachdenken heraus, sondern indem man Kleinigkeiten weglässt und schaut, was übrig bleibt.

Verliere ich Menschen, wenn ich echter werde?

Manche ja. Meistens die, deren Nähe an einer Rolle hing. Was bleibt, trägt dafür ohne Anstrengung – und das ist ein sehr anderes Gefühl.

Kann man Authentizität üben?

Ja, ähnlich wie einen Muskel. Nicht in großen Auseinandersetzungen, sondern in vielen kleinen alltäglichen Entscheidungen, die zuerst unbedeutend wirken.

Andrea Schmucker
Geschrieben von Andrea SchmuckerAkasha Chronik Lehrerin und Bewusstseinsheilerin