Inneres Kind

Inneres Kind

Warum ein Gefühl größer sein kann als sein Anlass,
wenn dein Inneres Kind sich meldet

 

Das Innere Kind ist der Teil von dir, der die frühen Jahre gespeichert hat – die Freude genauso wie das, was damals zu viel war.

Es ist kein zweites Wesen in dir. Es ist eine Erinnerung, die noch reagiert: ein Muster, das entstanden ist, als du klein warst, und das seitdem nie aktualisiert wurde.

Ein Kind kann sich nicht wehren und nicht gehen. Also hat es getan, was ihm blieb: sich anpassen, still sein, lustig sein, funktionieren, brav sein. Das war damals klug. Es hat ja auch gewirkt.

Nur ist es nie zurückgenommen worden. Auf einer leeren Schaukel, die sich im Abendwind noch bewegt, sitzt längst niemand mehr – und trotzdem ist sie in Bewegung.

Woran merke ich, dass mein Inneres Kind sich meldet?

Daran, dass ein Gefühl viel größer ist als sein Anlass.

Jemand sagt einen Halbsatz, und du bist stundenlang durcheinander. Eine Nachricht bleibt unbeantwortet, und du bist dir sicher, dass etwas kaputt ist. Dein Partner geht früher ins Bett als sonst, und in dir ist eine Panik, die du selbst nicht erklären kannst.

Kennst du dieses „Ich weiß, dass es übertrieben ist, und kann trotzdem nichts dagegen tun“? Genau das ist der Moment. Nicht der Erwachsene ist am Steuer, sondern der Teil, der dieses Gefühl schon kennt.

Weitere Hinweise: Trotz, der aus dem Nichts kommt. Der plötzliche Wunsch, sich zu verkriechen. Ein Ärger, der sich anfühlt, als wäre er sechs Jahre alt. Oder ein Satz, der aus dir herausfährt, den du so von früher kennst – nur dass du damals derjenige warst, der ihn gehört hat.

Warum wirkt so etwas Altes heute noch?

Weil Erfahrungen nicht nur im Kopf gespeichert sind, sondern im Körper – und der Körper unterscheidet nicht zwischen damals und heute.

Kommt heute etwas vor, das sich ähnlich anfühlt wie damals, läuft das alte Programm ab, bevor der Verstand überhaupt Zeit hatte. Deshalb hilft „Das ist doch längst vorbei“ nichts. Der Verstand hat recht und hat trotzdem nicht gewonnen.

Aus diesen frühen Erfahrungen entstehen außerdem die Glaubenssätze, die du heute für die Wirklichkeit hältst. Und manche Prägungen reichen weiter zurück als dieses Leben, aus früheren Leben und der Inkarnation davor. Das musst du nicht glauben, um mit dem Inneren Kind zu arbeiten – es ändert nichts daran, dass etwas älter ist als du.

Wie komme ich mit meinem Inneren Kind in Kontakt?

Indem du es fragst, was es braucht – und dann tatsächlich wartest.

Setz dich in Ruhe hin, schließ die Augen, atme ein paarmal in den Brustraum. Stell dir vor, dass dieser Teil von dir da ist. Vielleicht kommt ein Bild, vielleicht nur ein Gefühl, vielleicht ein Alter.

Und dann frag: Was brauchst du heute von mir? Wovor hast du Angst? Was möchtest du mir zeigen?

Ein altes, abgeliebtes Stofftier sitzt auf einer hölzernen Treppenstufe im warmen Nachmittagslicht, ein Ohr ist geflickt. Sinnbild für das Innere Kind.

Wichtig ist der Teil danach: nicht sofort erklären, nicht sofort trösten, nicht sofort in Ordnung bringen. Nur zuhören. Das Meiste, was diesem Teil gefehlt hat, war nämlich nicht Hilfe. Es war Aufmerksamkeit.

Und wenn dabei etwas hochkommt, das zu groß ist, um es allein zu halten: In einer Sitzung Cosmic Healing arbeiten wir genau auf dieser Ebene – auch mit abgespaltenen Seelenanteilen, die sich lange nicht gezeigt haben.

Was mache ich mitten im Alltag, wenn es hochkommt?

Drei Sekunden innehalten und innerlich eine einzige Frage stellen: Wie alt fühle ich mich gerade?

Diese Frage wirkt fast immer sofort, weil sie den Erwachsenen zurück ans Steuer holt, ohne das Gefühl wegzuschieben. Sie macht nichts klein. Sie sortiert nur, wer gerade spricht.

Danach reicht ein innerer Satz: „Ich sehe dich. Ich bin da. Ich gehe nicht weg.“

Das klingt fast zu einfach. Es ist aber genau das, was damals gefehlt hat – und was heute nur noch von einer einzigen Person kommen kann. Von dir.

Was mir dabei geholfen hat

Mir hat geholfen, aufzuhören, diesen Teil verändern zu wollen.

Lange habe ich versucht, sie zu beruhigen, damit sie endlich Ruhe gibt. Das ist aber derselbe Umgang, unter dem sie ohnehin schon gelitten hat: Sei bitte anders, als du bist.

Was gewirkt hat, war das Gegenteil. Nicht wegmachen, sondern dabeibleiben. Je öfter ich das getan habe, desto seltener musste sie laut werden. Ein Kind, dem zugehört wird, muss nicht schreien.

Es ist wie mit einem alten Stofftier: Es ist nicht schön geblieben. Es ist geliebt worden.

Wenn dich heute etwas trifft, das eigentlich zu klein dafür ist, frag nicht sofort, warum. Frag, wie alt du dich gerade fühlst.

Häufige Fragen zum Inneren Kind

Ist das Innere Kind dasselbe wie ein Trauma?

Nein. Jeder Mensch hat ein Inneres Kind, auch ohne schwere Erfahrungen. Wo echte Traumafolgen im Spiel sind, gehört fachliche Begleitung dazu – spirituelle Arbeit ersetzt sie nicht, sie kann sie höchstens ergänzen.

Muss ich mich an meine Kindheit erinnern?

Nein. Der Körper erinnert sich, auch wenn der Kopf es nicht tut. Es reicht, mit dem Gefühl zu arbeiten, das gerade da ist.

Kann ich das allein machen?

Vieles ja. Wenn ein Gefühl aber so groß wird, dass du dich darin verlierst, ist Begleitung der bessere Weg – nicht, weil du es nicht kannst, sondern weil niemand sich selbst halten muss.

Wie lange dauert das?

Es ist kein Projekt mit Abschlussdatum. Die Kontaktaufnahme wirkt oft sofort. Dass ein Muster seltener anspringt, merkt man eher über Monate.

Andrea Schmucker
Geschrieben von Andrea SchmuckerAkasha Chronik Lehrerin und Bewusstseinsheilerin