Loslassen

Loslassen

Warum Loslassen sich anfühlt wie Verlust,
und warum es trotzdem etwas anderes ist

Loslassen heißt aufhören festzuhalten – nicht aufhören, dass es dir wichtig ist.

Kaum ein Wort wird so leichthin gesagt. „Du musst das jetzt mal loslassen.“ Meistens ist es gut gemeint, und meistens hilft es niemandem. Denn es klingt, als wäre es eine Entscheidung, die man einfach trifft, so wie man eine Tasse abstellt.

Was wir festhalten, ist ja selten der Gegenstand oder der Mensch. Es ist die Hoffnung, dass es doch noch anders wird. Es ist die Erklärung, die nie kam. Es ist die Vorstellung davon, wie das Leben eigentlich hätte laufen sollen.

Ein Boot, das fest am Steg vertäut ist, macht jede Welle mit und kommt trotzdem nirgends an. Es bewegt sich viel. Nur nicht von der Stelle.

Warum fällt Loslassen so schwer?

Weil das Alte, so schwer es auch ist, wenigstens bekannt ist.

Und weil sofort die Fragen kommen. Was, wenn nichts Besseres nachkommt? Was, wenn ich es später bereue? Wer bin ich denn ohne diese Aufgabe, ohne diesen Menschen, ohne diesen Schmerz, den ich inzwischen so gut kenne? Und was ist mit all den Jahren – waren die dann umsonst?

Verständlich. Diese Fragen wollen das Vorhaben erst einmal verwerfen, und sie tun es zuverlässig.

Dazu kommt etwas Älteres. Verluste, Trennungen und Erschütterungen haben sich über viele Leben hinweg in unserem energetischen System abgelegt. Wir kennen die Angst vor dem Verlieren oft schon, bevor wir in diesem Leben etwas verloren hätten.

Und dann ist da noch eine Verwechslung. Viele glauben, Loslassen hieße gutheißen, was passiert ist. Das stimmt nicht. Du darfst etwas ausdrücklich falsch finden und es trotzdem aus der Hand legen.

Über genau diese Frage habe ich auch ein Video aufgenommen:

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Ist Loslassen dasselbe wie Aufgeben?

Nein. Aufgeben heißt, ich will nicht mehr. Loslassen heißt, ich höre auf zu ziehen.

An einer Tür, die sich nach innen öffnet, kann man von außen ziehen, bis man umfällt. Es liegt nicht an der Kraft. Es liegt an der Richtung.

Wer aufgibt, wendet sich ab. Wer loslässt, bleibt durchaus da – nur ohne den Griff. Er bleibt zugewandt, ohne zu bestimmen, wie es ausgehen soll.

Deshalb ist Loslassen auch kein Verlust. Es ist Freiheit. Manchmal kommt das, was man wirklich losgelassen hat, sogar zurück. Anders als vorher. Und freiwillig.

Ein einzelnes goldenes Herbstblatt, das sich vom Zweig gelöst hat und frei in der Luft schwebt, als Sinnbild für das Loslassen

Woran merke ich, dass ich etwas festhalte?

An den Sätzen, die im Kopf immer wieder von vorn anfangen.

Du führst innere Gespräche, in denen du recht behältst und dein Gegenüber nichts erwidert. Du legst dir zurecht, was du hättest sagen sollen. Du merkst, dass ein einziger Name genügt, um deinen ganzen Tag zu drehen.

Der Körper zeigt es noch deutlicher. Ein Kiefer, der abends wehtut. Schultern, die bis zu den Ohren stehen. Hände, die sich im Schlaf schließen.

Und dann ist da die stille Buchführung: Ich habe so viel investiert, jetzt kann ich nicht mehr aussteigen. Dieser Satz hält mehr Menschen fest als jedes Gefühl. Er gehört zu den Glaubenssätzen, die niemand je überprüft hat.

Wie fange ich an loszulassen?

Mit etwas so Kleinem, dass es fast albern wirkt.

Nicht mit der großen Sache. Nicht mit der Ehe, nicht mit der Kränkung von damals. Sondern mit einem Gegenstand, den du seit Jahren aufhebst, obwohl du weißt, dass du ihn nie wieder brauchst. Es geht dabei nicht um den Gegenstand. Es geht darum, dass dein System einmal erlebt: Ich habe etwas hergegeben, und ich lebe noch.

Ein zweiter Schritt, der erstaunlich viel bewegt: einen Satz, den du seit Jahren nur denkst, ein einziges Mal wirklich aussprechen. Allein, im Auto, laut. Es hört niemand zu. Es verändert trotzdem etwas.

Was dagegen nicht funktioniert, ist der Vorsatz „Ich muss jetzt loslassen“. Damit machst du Druck, und Druck ist das Gegenteil von Öffnen. Achtsamkeit hilft hier mehr als Willenskraft: erst einmal nur bemerken, wann du greifst.

Wenn immer wieder dieselbe Schicht auftaucht, liegt das selten am guten Willen. Dann ist etwas gespeichert, das sich mit Vorsätzen nicht erreichen lässt – und genau dort setzt meine Arbeit mit dem Bewusstsein an.

Und irgendwann verwandelt sich das Loslassen in etwas Größeres: ins Freilassen. Nicht nur die Hand öffnen, sondern dem anderen, der Situation und auch dir selbst die Erlaubnis geben, frei zu sein.

Was mir dabei geholfen hat

Mir hat geholfen zu verstehen, dass Loslassen kein einmaliger Akt ist.

Ich habe lange darauf gewartet, dass es diesen einen Moment gibt, nach dem es erledigt ist. Den gibt es nicht. Es ist eher ein Nachlassen des Griffs, viele Male, an vielen Tagen. Manchmal greife ich am nächsten Morgen wieder zu. Dann lasse ich eben noch einmal locker.

Je weniger ich zog, umso mehr Raum entstand. Je weniger ich zog, umso deutlicher zeigte sich, was von selbst bleiben wollte.

Ein Blatt fällt nicht, weil der Baum es abwirft. Es fällt, wenn die Verbindung von selbst dünn geworden ist.

Fühle einmal in dich hinein: Wo hältst du gerade noch fest? Und wo darfst du heute vielleicht ein kleines bisschen lockerer lassen?

Häufige Fragen zum Loslassen

Wie lange dauert Loslassen?

So lange, wie es dauert – und meist länger, als man möchte. Hilfreicher als die Frage nach der Dauer ist die Beobachtung, ob die Abstände größer werden, in denen dich das Thema packt.

Muss ich vergeben, um loslassen zu können?

Nein. Vergebung ist ein eigener Weg, und sie lässt sich nicht erzwingen. Man kann etwas aus der Hand legen, ohne es gutzuheißen und ohne mit jemandem Frieden geschlossen zu haben.

Was ist, wenn ich immer wieder alles zurückhole?

Das ist der Normalfall und kein Rückschritt. Ein Muster, das jahrzehntelang lief, hört nicht nach einem Entschluss auf. Entscheidend ist nicht, dass du nie zurückgreifst, sondern dass du es bemerkst.

Ist Loslassen dasselbe wie Gleichgültigkeit?

Nein, es ist fast das Gegenteil. Gleichgültigkeit hat den Bezug aufgegeben. Beim Loslassen bleibt der Bezug bestehen, nur der Anspruch darauf, wie es ausgehen muss, fällt weg.

Andrea Schmucker
Geschrieben von Andrea SchmuckerAkasha Chronik Lehrerin und Bewusstseinsheilerin