Liebe
Liebe
Warum Liebe mehr ist als ein Gefühl,
und was sich ändert, wenn du das ernst nimmst
Liebe ist keine Stimmung, die kommt und geht, sondern der Grundton, aus dem alles andere entsteht.
Wir benutzen dasselbe Wort für sehr Verschiedenes. Für das Verliebtsein, das einem den Boden unter den Füßen wegzieht. Für die stille Zuneigung nach zwanzig Jahren. Für die Sorge um ein Kind. Für die Anhänglichkeit an einen Menschen, der uns längst nicht mehr guttut.
Das Verliebtsein ist ein Zustand, und Zustände lassen nach. Was danach kommt oder eben nicht kommt, ist die eigentliche Frage.
In der Bewusstseinsarbeit meinen wir mit Liebe etwas anderes: die feinste und höchste Schwingung, aus der heraus alles entsteht. Nicht etwas, das man bekommt, wenn man es richtig macht. Etwas, das man im Kern ohnehin ist.
Ein Strohfeuer ist hell und nach zehn Minuten vorbei. Eine Glut wärmt noch am nächsten Morgen. Beides ist Feuer. Nur eines trägt.

Warum fällt es so schwer, Liebe anzunehmen?
Weil die meisten von uns früh gelernt haben, dass sie an Bedingungen hängt.
Sei brav, dann hat die Mama dich lieb. Streng dich an, dann bist du etwas wert. Mach keinen Ärger. Sei nicht so laut. Sei nicht so viel.
Das ist kein Vorwurf an unsere Eltern. Sie haben weitergegeben, was sie selbst bekommen haben, und die meisten haben es so gut gemeint, wie sie konnten. Prägungen aus dem Familiensystem sind Gepäck, das niemand bewusst gepackt hat.
Nur die Rechnung, die daraus entsteht, wirkt lebenslang weiter: Ich bekomme Zuwendung, wenn ich etwas dafür tue. Wer das gelernt hat, kann Liebe geschenkt kaum aushalten. Er wartet auf die Bedingung, die noch kommt.
Häufig meldet sich an dieser Stelle das innere Kind – der Teil in uns, der damals nicht bekommen hat, was er gebraucht hätte, und der immer noch darauf wartet.
Ist Selbstliebe dasselbe wie Egoismus?
Nein. Egoismus nimmt anderen etwas weg, Selbstliebe hört auf, es sich selbst wegzunehmen.
Das Missverständnis hält sich hartnäckig, und es hält vor allem die Menschen zurück, die es am nötigsten hätten.
Wer sich selbst nichts gibt, schenkt anderen aus einem leeren Krug. Eine Weile geht das. Dann wird aus dem Geben ein Vorwurf, und der Mensch, der jahrelang für alle da war, sitzt verbittert am Tisch und versteht selbst nicht, warum.
Selbstliebe fängt viel banaler an, als das Wort vermuten lässt. Eine Absage, die niemandem schadet. Eine Pause, die man sich nicht verdient hat. Ein Satz, den man ausnahmsweise nicht hinunterschluckt.
Damit hat sie mehr mit Authentizität zu tun als mit warmen Gefühlen. Es geht nicht darum, sich toll zu finden. Es geht darum, sich nicht mehr zu verstellen, um gemocht zu werden.
Woran merke ich, ob ich aus Liebe handle oder aus Angst?
An der Enge. Angst macht eng, Liebe macht weit – und das spürst du im Körper, bevor du es denkst.
Von außen können zwei Handlungen völlig gleich aussehen. Zwei Menschen helfen, beide freundlich, beide zuverlässig. Der eine tut es aus Zuwendung. Der andere, weil er fürchtet, sonst nicht mehr gemocht zu werden.
Zwei Prüffragen bringen Klarheit. Wäre ich damit auch dann einverstanden, wenn niemand es bemerkt? Und: Fühle ich mich danach weiter oder kleiner?
Liebe hält offen. Angst hält fest. Das ist der ganze Unterschied, und man merkt ihn an den Händen.
Was in dir schwingt, findet im Außen seine Entsprechung. Wer aus Mangel handelt, zieht Situationen an, die den Mangel bestätigen – das ist keine Strafe, sondern schlicht dein Resonanzfeld.
Wie komme ich zurück in diese Schwingung?
Nicht durch Anstrengung, sondern indem du wegräumst, was darüber liegt.
Liebe muss nicht hergestellt werden. In deinem tiefsten Seelenkern ist sie ohnehin da und war es immer. Verschüttet wird sie durch Erfahrungen, Prägungen und Überzeugungen, nicht abgeschafft.
Im Weg liegen meist alte Verletzungen und die Schutzmauern, die danach gebaut wurden. Diese Mauern waren einmal sinnvoll. Sie haben nur nie mitbekommen, dass die Gefahr vorbei ist.
Wo aus diesen Mauern eine feste Haltung geworden ist, in der das Erlebte zur Erklärung für alles wird, sprechen wir von der Opferrolle. Auch sie löst sich nicht durch guten Willen, sondern dadurch, dass jemand sie in Ruhe ansieht.
Wenn sich um dein Herz etwas gelegt hat, das mit guten Vorsätzen nicht weggeht, schauen wir es uns in einer Sitzung Cosmic Healing gemeinsam an. Das ist Arbeit im Energiefeld, keine Gesprächstherapie – und sie erreicht Schichten, an die man sich nicht herandenken kann.
Und im Alltag reicht ein sehr kleiner Anfang: den nächsten freundlichen Impuls, der in dir aufsteigt, nicht wegdrücken. Weder anderen gegenüber noch dir selbst.
Was mir dabei geholfen hat
Mir hat geholfen, aufzuhören, sie mir verdienen zu wollen.
Ich habe lange geglaubt, Liebe sei etwas, das mir jemand geben muss, damit ich vollständig bin. Also habe ich mich angestrengt. Und je mehr ich mich anstrengte, desto weniger kam an.
Je weniger ich sie mir verdienen wollte, umso mehr war auf einmal da. Je weniger ich sie mir verdienen wollte, umso ruhiger wurde es in mir.
Und dann ist da diese leise innere Stimme, die sagt: „Du musst dich nicht bemühen. Du darfst dich nur erinnern.“
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, dann fang bei dem Menschen an, dem du heute am wenigsten Freundlichkeit zugestehst. Meistens bist du das selbst.
Häufige Fragen zur Liebe
Ist Liebe ein Gefühl oder eine Entscheidung?
Beides. Das Gefühl kommt und geht, wie jedes Gefühl. Die Ausrichtung darauf ist eine Entscheidung, die man jeden Tag neu treffen kann – auch an Tagen, an denen man nichts spürt.
Kann man lernen, sich selbst zu lieben?
Ja, aber nicht als Gefühl auf Kommando. Man lernt es über Handlungen: sich Pausen zugestehen, Nein sagen, sich nicht ständig erklären. Das Gefühl kommt später nach.
Muss ich jeden Menschen lieben?
Nein. Zugewandt zu bleiben heißt nicht, alles zuzulassen. Man kann jemandem wohlwollend begegnen und trotzdem eine klare Grenze ziehen – das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Was ist der Unterschied zwischen Liebe und Anhaftung?
Anhaftung braucht, dass der andere bleibt. Liebe wünscht ihm das Beste, auch wenn er geht. Der Unterschied zeigt sich immer erst dann, wenn jemand sich entfernt.

